Wer das erste Mal nach Asien reist, sollte immer einen erfahrenen Berater an seiner Seite haben. Denn Fettnäpfchen lauern in den asiatischen Ländern mit strengen Formalismen überall. Wer klare Zielvorstellungen hat und den richtigen Ansprechpartner kennt, hat die besten Chancen auf Erfolg. Doch Ansprechpartner mit Entscheidungskompetenz sind häufig aufgrund undurchsichtiger Strukturen schwer zu finden.

Das Gesicht wahren

Asiaten sind ruhig, bedacht, zurückhaltend, sehr empfindsam und neugierig. Das „Gesicht wahren“ hat auf allen Ebenen höchste Priorität. Chinesen und Japaner verletzen ihr Gegenüber niemals durch unüberlegte Bemerkungen oder falsche Vorgehensweisen. Ebenso versteht sich Zuhören als ein Akt der Höflichkeit. Ist das Interesse der Asiaten geweckt, werden genügend Fragen geststellt, die dann auch gerne und freundlich beantwortet werden sollten.

„Heute neue Freunde, morgen alte Freunde“

So lautet ein chinesisches Sprichwort. Und nach diesem Grundsatz leben die Asiaten. Geschäftsanbahnungen zielen darauf ab, Freundschaften zu schliessen. Selbst wenn die Ergebnisse nicht zufrieden stellend ausfallen, beendet man ein Gespräch genauso höflich und entspannt, wie man es begonnen hat. Es gehört zum guten Ton, eine Gegeneinladung auszusprechen, die in der Regel auch angenommen wird.

Lieber 15 Minuten vor der Zeit

Chinesen sind pünktlich und halten Vereinbarungen strikt ein. Höflich ist, wer bis zu 15 Minuten vor dem eigentlichen Termin eintrifft. Denn bevor es ums Geschäft geht, ist in China und Japan eine Phase des gegenseitigen Kennenlernens üblich. Bei einem Glas Tee plaudern die Asiaten gern in entspannter Atmosphäre über persönliche Dinge.

Beginnt dann der geschäftliche Teil, wird nicht mehr vom Thema abgeschweift. Am Ende eines Geschäftstermins folgt meist eine Essenseinladung. Smalltalk-Themen stehen dann wieder im Mittelpunkt der Gespräche, Geschäftliches ist beim Essen tabu. Die Rechnung begleicht stets derjenige, der eingeladen hat.

Niemals den Teller leer essen

Asiatisches Essen zeichnet sich durch Frische aus. „Dass dem Gast der Fisch zappelnd oder der Spatz zwitschernd präsentiert wird, den er hinterher auf dem Teller serviert bekommt, ist nicht weiter ungewöhnlich. Probieren heisst die Devise.

Etwas einfach abzulehnen, gelte ebenso als unhöflich, wie seinen Teller leer zu essen. Wer aufisst, signalisiert: es war nicht genug. Deshalb frühzeitig aufhören und mehr als eine Scheinportion übrig lassen. Wird Tee gereicht, muss wenigstens einmal daran genippt werden. Als Handwerkszeug dienen Stäbchen, wobei in Japan auch mehr und mehr Messer und Gabel Einzug halten.

Trinken bis zum Umfallen

„Bottom-up-Trinken“ ist beim ersten Besuch gang und gäbe. Mit Hochprozentigem wird das Glas erhoben und in einem Zug ausgetrunken. Sobald es geleert ist, wird nachgeschenkt. Die Höflichkeit gebietet es, das Glas des Gastes stets nachzufüllen, bis dieser dankend ablehnt und das volle Glas beiseite stellt.