1. Das 80/20-Prinzip

Das 80/20-Prinzip stellt eine inhärente Unausgewogenheit zwischen Ursachen und Wirkungen, Aufwand und Ertrag, Anstrengung und Ergebnis fest. Ein typisches Verteilungsmuster zeigt, dass 80 Prozent des Ertrags von 20 Prozent des Aufwands herrühren, dass 80 Prozent der Wirkungen durch 20 Prozent der Ursachen bedingt sind, und dass 80 Prozent der Ergebnisse auf 20 Prozent der Anstrengungen zurückgehen.

In der Geschäftswelt wird das 80/20-Prinzip durch zahlreiche Beispiele bestätigt.
Wir tendieren zu der Erwartung, dass alle Kunden gleich wertvoll sind, dass jeder Teil des Geschäfts, jedes Produkt und jede Einheit des Umsatzerlöses gleich wichtig ist, dass alle Mitarbeiter einer bestimmten Kategorie ungefähr gleichwertig sind. Wir neigen zu der Annahme, dass 50 Prozent der Ursachen zu 50 Prozent der Wirkungen führen. Dieser 50/50-Irrglaube ist in den Menschen und in den Unternehmen tief verwurzelt und äusserst schädlich.

2. Unternehmenserfolg muss kein Zufall sein

Nur wenige Manager stellen sich die Frage, warum die unrentablen Bereiche so schlechte Ergebnisse erzielen. Ebenso wenig denken sie darüber nach, ob man nicht ein Unternehmen realisieren könnte, das sich nur aus den rentabelsten Bestandteilen zusammensetzt und bei dem man auf 80 Prozent der Gemeinkosten verzichtet.

Der unrentable Geschäftsbereich ist deshalb unrentabel, weil er den Grossteil der Gemeinkosten verursacht und weil das Unternehmen wegen der vielen verschiedenen Geschäftszweige äusserst kompliziert wird. In der Realität verursachen die profitablen Geschäftszweige nur einen sehr geringen Teil der Gemeinkosten.

Vor diesem Hintergrund zählen zu den wichtigsten Anwendungsgebieten des 80/20-Prinzips:

• Strategie: Die Geschäftsstrategie sollte 80 Prozent der Gewinne und liquiden Mittel mit 20 Prozent des Umsatzes erzielen.

• Qualität: Wenn man die kritischsten 20 Prozent der Qualitätslücken schließt, könnte man 80 Prozent der erreichbaren Vorteile realisieren.

• Marketing: Die Marketingarbeit sollte sich bemühen, jene 20 Prozent der Kunden, die 80 Prozent des Umsatzes oder der Gewinne ausmachen, an sich zu binden.

• Projektmanagement: 80 Prozent des Wertes aller Projekte gehen aus 20 Prozent der mit ihnen verbundenen Tätigkeiten hervor. Die restlichen 80 Prozent der Aktivitäten sind auf überflüssige Komplexität zurückzuführen.

Der Entscheidungsfindungsprozess mithilfe des 80/20– Prinzips folgt fünf Regeln:

Regel 1: Nicht viele Entscheidungen sind wirklich wichtig.

Regel 2: Die wichtigsten Entscheidungen sind oft jene, die sich aus einem Versäumnis ergeben, weil wesentliche Wendepunkte nicht wahrgenommen wurden.

Regel 3: Man sollte 80 Prozent der Daten und 80 Prozent der relevanten Analysen in den ersten 20 Prozent der verfügbaren Zeit sammeln beziehungsweise durchführen.

Regel 4: Wenn eine Entscheidung nicht funktioniert, sollte sie möglichst schnell revidiert werden.

Regel 5: Wenn etwas gut funktioniert, ist es ratsam, den Einsatz zu verdoppeln.
Wendet man das 80/20-Prinzip auf die Mitarbeiter an, bedeutet dies Folgendes: Einige Mitarbeiter haben einen unbezahlbaren Wert. Ihr Nutzen liegt weit über ihren Kosten. Viele Mitarbeiter sind nur Mitläufer, die deutlich mehr Kosten als Nutzen verursachen. Und manche vernichten selbst dann Wert, wenn man ihr Gehalt unberücksichtigt lässt.

Die Umsetzung des 80/20-Prinzips stösst meist auf das Hindernis, dass die Ressourcen in den Unternehmen falsch verteilt sind: Die wenig einträglichen Tätigkeiten werden mit zu vielen und die leistungsstarken Tätigkeiten mit zu wenigen Ressourcen ausgestattet. Trotzdem gedeihen die gewinnträchtigen Aktivitäten, während sich die subventionierten Bereiche nicht aus eigener Kraft erhalten können. Wenn dann durch die hohe Ertragskraft der Spitzenleistungen Ressourcen frei werden, werden diese von den ertragsschwachen Tätigkeiten verbraucht.

3. Weniger Arbeiten, mehr verdienen und Spass haben

Unser derzeitiger Umgang mit Zeit ist nicht rational. Wir müssen eine völlig neue Zeitauffassung konzipieren. Es besteht kein Mangel an Zeit. Gerade die talentiertesten Menschen erreichen ihre Höchstleistungen oft in sehr kurzen Zeiträumen. Das 80/20- Prinzip rät uns, weniger zu handeln und mehr nachzudenken.

Die dem 80/20-Prinzip zugrunde liegende Verteilung wurde im Jahr 1897 von dem italienischen Ökonomen Vilfredo Pareto entdeckt. Sie hat seither viele Namen erhalten, unter anderem Pareto-Prinzip, Prinzip der geringsten Anstrengung, Prinzip der Unausgewogenheit und eben auch 80/20-Prinzip. Lange Zeit stand das 80/20-Prinzip wie ein erratischer Block in der Welt der Wirtschaft: ein empirisches Gesetz, das niemand erklären konnte. Richard Koch war der Erste, der sich in einem Buch mit dem Pareto-Prinzip für alle Bereiche des Geschäftslebens auseinander gesetzt hat.