Gute Kleidung, Diplomatie und viel Spontanität sind drei markante Merkmale des südeuropäischen Alltagslebens.

Beim Kontakt mit Südeuropäern ist die Beziehungsebene entscheidend. Italiener, Spanier und Griechen legen auf einen persönlichen Umgang miteinander Wert. Im Süden Europas verschmelzen Privat- und Berufsleben zunehmend, was im Gegensatz zu der hierzulande üblichen Sachorientierung und strikten Trennung der Lebensbereiche steht.

Seien Sie persönlich, aber nicht privat. Interessen oder Themen, die in der Luft liegen, sind geeignete Gesprächsinhalte bei allen Anlässen.

Die Kunst der leichten Plauderei

Ob beim gemeinsamen Mittagessen, einer Abendveranstaltung oder der Kaffeepause bei einem Meeting – die Kunst ist es, unbefangen zu plaudern, ohne gleich vertraulich zu werden. Überzeugungen oder Familienverhältnisse sind dabei fehl am Platz.

Das äussere Erscheinungsbild ist in Südeuropa mindestens genauso wichtig wie das restliche Auftreten. Wer sich als interessanter, freundlicher und attraktiver Mensch zeigt, hinterlässt in diesen Ländern einen guten Eindruck.

Passt die Handtasche?

Ob klassisch konservativ mit einem Hosenanzug oder der letzte Modeschrei in Form eines Designerstücks – der Anlass entscheidet über die Art der Garderobe. Dabei spielt die Liebe zum Detail bei den Südeuropäern eine nicht zu verachtende Rolle. Bei den Herren muss der Gürtel zu den Schuhen passen. Bei den Damen ist es die Handtasche. Aufgeschlossen stehen die Südländer auch Kosmetiktrends gegenüber.

Spontanität gehört in Italien, Spanien und Griechenland zum täglichen Leben. Pünktlichkeit geht damit allerdings nicht immer einher. Eine Viertelstunde Verspätung ist nicht weiter ungewöhnlich.

Pünktlichkeit ich durchaus möglich

Das Können besteht darin, geschickt darüber hinwegzusehen und die Zeit sinnvoll zu überbrücken. Stehen wichtige Termine ins Haus, sind die Südeuropäer in der Regel pünktlich. Pünktlichkeit bedeutet jedoch nicht, vor der Zeit einzutreffen.

Das Hierarchiedenken ist in Südeuropa sehr ausgeprägt, Entscheidungen fallen zentralisierter. Geschäfte werden zwischen gleichrangigen Partnern abgeschlossen. Erfolg hat, wer das Rollenspiel mitspielt. Dem Verhandlungspartner sollte stets ein Rangadäquater gegenübertreten.

Es wird schnell geduzt

Auch wenn die Arbeit im Vorfeld ein Mitarbeiter erledigt hat, ist im entscheidenden Moment der Chef gefragt. Doch damit der Auftritt professionell und zielführend verläuft, ist Abstimmung unerlässlich. Internes Networking heisst das Stichwort. Chef und Mitarbeiter müssen sich gegenseitig über den Stand der Dinge informieren, Positionen und Argumente besprechen und die Strategie abstimmen.

Trotz strenger Hierarchien nehmen die Südeuropäer das „Siezen und Duzen“ leichter, man geht schneller zum „Du“ über. Dabei gelten dieselben Regeln wie bei uns: Das Angebot spricht der Ältere oder Ranghöhere aus.

Nein? Nein!

Südeuropäer gehen diplomatisch vor. „Nein“ sagen ist nicht üblich. Vorsichtig und behutsam, mit viel Feingefühl, wählen sie ihre Formulierungen. „Um den wahren Sinn einer Aussage zu erfassen, muss man zwischen den Zeilen lesen.

Direktheit wirkt befremdend, denn Italiener, Spanier und Griechen trennen nicht zwischen sachlicher Kritik und Persönlichem. Ein guter Tipp ist die „Sandwichmethode“, mit der es gelingt, kritische Äusserungen gekonnt zu verpacken: Das kritische Element steht dabei, wohl überlegt formuliert, zwischen zwei positiven Aussagen.