Aufgrund tropischer Temperaturen in den meisten Landesteilen spielt sich das Leben in Südamerika hauptsächlich im Freien ab. Ausgedehnte Siestas sind an der Tagesordnung, und erst am späten Abend erwacht überall das Leben.

Wer nach Lateinamerika kommt, wird eine gänzlich andere Mentalität antreffen, in der Familie groß geschrieben und über Geld und Alter nicht gesprochen wird.

Zwei Welten prallen aufeinander

Die Deutschen lieben die Distanz, nehmen ihre Umwelt visuell wahr. Mit einem knappen Meter wird der durchschnittliche deutsche Wohlfühlabstand bemessen. Je näher man einem Deutschen kommt, desto zurückhaltender wird er. Südamerikaner dagegen lieben die Nähe, die Berührung und den Körperkontakt. 40 Zentimeter Distanz empfindet der Südamerikaner als angenehm. Es ist üblich, sich während des Gesprächs kurz zu berühren. Für Deutsche und andere Mitteleuropäer, vor allem für Frauen, ist diese Angewohnheit eher befremdlich. Wobei die Südamerikaner in der Regel keinerlei Hintergedanken hegen, und Berührungen nicht als „Anmache“ gemeint sind.

Grosses Hallo beim Wiedersehen

Bereits beim dritten oder vierten Treffen ist es durchaus gang und gäbe, dass sich männliche Kollegen oder Geschäftspartner mit einer kurzen Umarmung begrüssen. Das Berühren der linken Schulter beim Handschlag ist laut Schaphoff ein Muss. Der Handschlag ist auch in Südamerika weit verbreitet, doch gilt es als unhöflich, die Hand des anderen kräftig zu schütteln. Ein leichtes Kopfnicken zollt dem Gegenüber besonderen Respekt.

Pünktlichkeit?

Mit der Pünktlichkeit nehmen es Südamerikaner nicht so genau, was nicht zuletzt an ihrem anderen Zeitverständnis liegt. Sie leben in der Gegenwart und denken nicht ständig an das, was sie in naher Zukunft tun müssen. Unpünktlichkeit wird nicht als unhöflich empfunden, eine Verspätung bis zu einer Stunde fällt meistens nicht ins Gewicht. Situativ entscheiden Südamerikaner, ob sie pünktlich sind oder nicht. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel: Bei Erstkontakten erscheinen auch Südamerikaner stets zum vereinbarten Zeitpunkt, ebenso würdigen sie die deutsche Pünktlichkeit mit eben solcher. Ist „American Time“ vereinbart, ist dies das Zauberwort für erbetene Pünktlichkeit.

Während die Deutschen bei Verabredungen das tun, was sie sich vorgenommen und vereinbart haben, ändern Südamerikaner Termine auch kurzfristig. Das Leben befindet sich im Fluss. Zeit ist eine weiche Einheit, die an äußere Umstände angepasst wird. So kann es passieren, dass von zehn geladenen Gästen vier kurz vorher absagen. Dafür bringen aber die anderen Gäste spontan weitere vier Freunde mit.

Schick bis locker ist die Garderobe

Je weiter man an die Küste gelangt, desto informeller wird die Kleidung. Im Countryclub-Stil könne man beispielsweise chilenische Manager antreffen, Poloshirts und Mokkasins sind dort nichts ungewöhnliches. In Argentinien dagegen wird auf schicke, konservative Kleidung Wert gelegt. Nicht nur von der Region, sondern auch vom Unternehmen hängt die Kleidung ab. Wer in einem globalen Konzern arbeitet, wird sich eher der Firmenkultur unterwerfen müssen als in einem südamerikanischen Unternehmen. Südamerikanische Managerinnen spielen mit ihrer Weiblichkeit und betonen diese gerne. Vorzüge bringt dies nur in gewissem Masse, wenn auch die Qualifikation stimmt.

Die Rechnung, bitte

In Südamerikane zahlt eine Person für alle. Gehen Männer und Frauen gemeinsam aus, übernimmt stets ein Mann die Rechnung – auch bei Geschäftsessen.