Wer glaubt, nach zwei McDonalds-Besuchen und einem Kurzurlaub in Florida amerikanisches Geschäftsgebaren zu kennen, steht in den USA schnell im Regen. Denn die feinsinnige Büroetikette Nordamerikas verlangt vom Neuling viel Aufmerksamkeit.

„How are you“ – dieses geflügelte Wort begegnet einem in den USA ständig. Dass man es mit demselben beantwortet, erscheint den Europäern oft unbegreiflich. Zwar heisst es, wörtlich übersetzt, „Wie geht es Dir?“, doch die Amerikaner verwenden es ähnlich dem deutschen „Hallo“ und erwarten keineswegs eine ehrliche Antwort darauf.


Der kleine, aber feine Unterschied

Bei näherem Hinsehen wird schnell klar: Die Lebenseinstellung der Amerikaner ist einfach eine andere. Das Glas ist halb voll und nicht halb leer, was ihre positive Grundeinstellung zeigt. Jammern gibt es nicht. „Anpacken“ heisst die Devise in der leistungsorientierten US-Gesellschaft. Bei uns stösst dagegen die amerikanische Schnelligkeit oft auf Unverständnis, denn die Europäer planen lieber langfristiger.

Indirekt und höflich

Höflichkeit ist in dem Land, in dem der Dienstleistungsgedanke gelebt wird, Pflicht. Wer jemanden anrempelt, entschuldigt sich, das ist ungeschriebenes Gesetz.

Zurückhaltung üben die Amerikaner auch in Sachen Kommunikation. Für kritische Äusserungen finden sie stets eine positive Formulierung. In den USA wird weniger zwischen Sachaussage und Person getrennt, deshalb nimmt man dort Kritik leichter persönlich. Instruktionen werden höflich gestellt, Befehle als Bitten getarnt. Ein „please“ gehört unweigerlich dazu.

Vorschläge mit Aufforderungscharakter kommen in Formulierungen wie „Why don“t you…?“ zum Ausdruck. Und ein „okay“ meint häufig nicht hundertprozentige Übereinstimmung sondern steht je nach Zusammenhang auch für Skepsis. Um den Sinn einer Aussage zu erfassen, muss der Zuhörer gekonnt zwischen den Zeilen lesen: Denn schwache Formulierungen sind meistens stärker gemeint, als sie klingen.

Gut zu wissen:

Smalltalk spielt im Amerika eine wesentlich grössere Rolle als in Deutschland, wo man normalerweise direkt zur Sache kommt. Amerikaner benötigen eine gewisse Anlaufphase, in der sie ihre Geschäftspartner kennenlernen wollen. Dazu gehört die entspannte Plauderei über angenehme Dinge wie den letzten Urlaub, Sportereignisse, private Erlebnisse oder die Schönheiten des Landes.

Echter Humor wird bei der Einleitung von Präsentationen oder Meetings geschätzt. Denn Amerikaner wollen emotional angesprochen werden.

Amerikaner bleiben in ständigem Kontakt und wollen über den Status Quo informiert werden. Wer länger keine Rückmeldung gibt, auch wenn das Projekt noch nicht vorangeschritten ist, signalisiert, dass er kein Interesse mehr an einer Geschäftsbeziehung hat.

Von Kleidern und anderen Umgangsformen

Amerikaner kleiden sich konservativer als Europäer. Für die Herren sind dunkle Anzüge angesagt. Bei den Damen müssen es gedeckte, möglichst hochgeschlossene Kostüme mit knieumspielten Röcken sein. Je weiter man ins Landesinnere gelangt, desto strenger ist die Kleiderordnung. Ein gepflegtes Äusseres ist das A und O. Unbestrumpfte, gar unrasierte Beine bei Frauen sind ebenso undenkbar wie behaarte Achseln.

Zwar ist der gute Ton bei Tisch lockerer als beispielsweise in Deutschland, dennoch gibt es einige Besonderheiten. Amerikaner schneiden ihr Essen vor dem Verzehr klein. Gegessen wird dann nur mit der Gabel, die sie in der rechten Hand zum Mund führen. Die Linke bleibt währenddessen im Schoss liegen. Beim Verlassen des Tischs deponieren die Amerikaner ihre Serviette auf dem Sitz. Nase schnäuzen am Tisch gilt als „Faux-pas“.

„Sexual harrassment“ und „political correctness“

Wer unangenehm auffallen will, schmeichelt Kolleginnen mit anzüglichen Komplimenten oder erzählt zweideutige Witze. Ein harmloser Flirt kann schnell als sexuelle Belästigung begriffen werden. Die Übergänge sind fliessend. Ein gut gemeinter Rat lautet: Halten Sie eine Besprechung mit einer Frau nie allein in einem geschlossenen Büro ab. Lassen Sie immer die Tür offen.

Zu leicht kommen Missverständnisse auf, die schnell zu einem Prozess wegen sexueller Belästigung führen können. Genauso wie „sexual harrassment“ ist „political correctness“ ein sensibles Thema. Einwandfreies Verhalten gegenüber etwa ethnischen Minderheiten ist ein „Muss“.