Andere Länder, andere Sitten – diese Binsenweisheit gilt in Ländern mit islamischen Sitten mehr denn je. Wer hier erfolgreich sein und Fettnäpfchen vermeiden will, muss die länderspezifischen Umgangsformen kennen.

Türkischer Business-Look

„Das äussere Erscheinungsbild spielt bei den Türken eine größere Rolle als bei den Deutschen“, sagt Dr. Gülay Yasin, Geschäftsführerin der Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer (TDIHK) in Köln. Alte Krawattenmuster und ungebügelte Hemden kämen gar nicht gut an, erklärt sie weiter. Sauber, akkurat, elegant und dezent, aber dennoch modern muss die Kleidung sein, bei der auf Qualität wert gelegt wird. Geschäftsleute bevorzugen dunkle Töne. „Bei den Herren ist eine ordentliche Rasur das A und O. Die Damen sollten ihre Röcke nicht zu kurz wählen und beim Schminken darauf achten, möglichst natürlich zu wirken“, so Yasin.

Umgangston bei Geschäftskontakten

Image und Prestige stehen neben Ehre, Professionalität und Zurückhaltung ganz oben auf der türkischen Etiketteskala. Fingerspitzengefühl ist gefragt, denn die deutsche Offenheit ist in den Business-Metropolen der Türkei fehl am Platze. „Witze sind bei der ersten Begegnung tabu“, berichtet Yasin mehr über die kulturellen Gepflogenheiten ihres Heimatlandes. Auch Privates hat bei geschäftlichen Treffen nichts verloren, es sei denn, der Gesprächspartner fordert explizit dazu auf. „Die Türken sagen alles gerne durch die Blume, das verlangt die Höflichkeit“, sagt sie. Einfach „nein“ zu sagen, gehört nicht zum guten Umgangston. Wer eine Anfrage ablehnen muss, drückt sein Bedauern darüber aus und nennt die Gründe dafür.

Termine, Termine, Termine

Zwar schätzen die Türken die deutsche Pünktlichkeit, aber selbst leben sie sie meist nicht. „Verspätet sich ein Geschäftspartner um eine halbe Stunde, hat das nichts zu bedeuten. Das ist einfach ein Stück der Mentalität“, so Yasin. Bei Geschäftsessen trinken Türken entgegen der deutschen Gewohnheit mittags keinen Alkohol, am Abend ist dieser jedoch erlaubt. Empfiehlt der Gastgeber ein Menu, folgt der Geladene diesem Vorschlag. Frauen begegnen die Türken mit besonderer Höflichkeit, wobei auch in der Business-Welt die allgemeinen Etiketteregeln wie „Tür aufhalten oder Stuhl zurechtrücken“ gelten. Beruflich erfolgreichen Frauen erweisen sie sehr viel Respekt.

Beziehungs-Management in der arabischen Welt

Zwischen der Türkei und den restlichen islamischen Staaten scheinen Welten zu liegen. Die Türkei – sehr offen und westlich orientiert – steht den extrem gläubigen und konservativen Ländern am Golf und der nordafrikanischen Küste gegenüber. Obwohl sich diese in vielen spezifischen Details deutlich unterscheiden, so haben sie doch einige Gepflogenheiten gemein. „Wer mit Arabern Geschäfte machen will, sollte Zeit mitbringen“, sagt Professor Dr. Fathi Franzmathes, Geschäftsführer des Instituts für Wirtschaft und Sprachen (IWS) in Hamburg.

Es ziehme sich nicht gleich über das Geschäftliche zu sprechen, erklärt er. Das gegenseitige Kennenlernen, Kontaktaufbau und -pflege stehen im Vordergrund. Der Gast ist in arabischen Ländern König. Gute Bewirtung und ein individuelles Freizeitprogramm für die Gäste verstehen sich von selbst. Als „Gegenleistung“ erwarten die Araber Geschenke und eine Gegeneinladung. Striktes Alkoholverbot herrscht in der Öffentlichkeit und auch bei Geschäftsessen. Ob arabische Geschäftsleute pünktlich sind, ist abhängig vom Anlass. Generell spielen Termine nur eine untergeordnete Rolle.

Denken und Handeln

„Die Wertschätzung steht in diesen Ländern im Mittelpunkt des Denkens“, unterstreicht Bernhard Reisch, Geschäftsführer des Instituts für Interkulturelles Management (IFIM). Der Gast spricht sein eigentliches Anliegen nie selber an, dies obliegt dem Gastgeber. Ist der Zeitpunkt da, wollen die Araber laut Franzmathes verhandeln und dabei stets das letzte Wort haben.

Genauso wie Geschäfte Männersache sind, ist Privates tabu. Selbst wenn der Deutsche die Gattin oder Tochter eines arabischen Geschäftpartners kennengelernt hat, schickt es sich nicht, nach ihr zu fragen. Die Grenzen sind eng gesetzt. Das blosse Angebot des Händedrucks wird bereits als sexuelle Annäherung aufgefasst, wie jede weitere Art des körperlichen Kontaktes. Arabische Frauen entscheiden selbst, ob und wem sie die Hand reichen oder nicht.