Beziehungen stehen auch in der Golfregion vor dem Geschäft. So geschäftstüchtig der Partner scheint – er will wissen, mit wem er Geschäfte macht. Falls der künftige Geschäftspartner Gemeinsamkeiten entdeckt, löst dies oftmals Sympathie aus. Die ist wiederum die Basis jeder erfolgreichen Geschäftsbeziehung. Wer neu in den Markt eintreten will, sollte sich an Agenten wenden, die beim Herstellen von Kontakten helfen können. Eine gute Möglichkeit sind auch Messen vor Ort.

Begrüssung und Anrede

In den Vereinigten Arabischen Emiraten müssen Geschäftspartner und Kollegen formell angesprochen werden. Der Status in der Gesellschaft und die berufliche Position spielen eine wichtige Rolle. Nicht zuletzt wegen der für Deutschsprachige komplizierten Sprache sollte man sich rechtzeitig erkundigen, wie der Name richtig ausgesprochen und geschrieben wird. Um den Geschäftspartner zu begrüssen, sagt man beispielsweise „Good Morning, Mr. Binjamin“. Wichtig: Obwohl der Vorname verwendet wird, darf diese Variante nicht mit dem deutschen informellen Duzen verwechselt werden. Hochrangige Persönlichkeiten sollten mit Titel angesprochen werden, zum Beispiel Shaikh Bara, His/Your Highness (Hoheit) oder His/Your Excellency (Angehörige der Herrscherfamilien, Botschafter, Minister und hohe politische Würdenträger); gefolgt von dem Vornamen. Zur Begrüssung ist im Geschäftsleben der Handschlag üblich. Dieser sollte nicht zu stark sein. Das wird als unangenehm empfunden.

Beziehung durch Treffen aufbauen

Ist ein potenzieller Geschäftspartner gefunden, stehen wie in Indien oder in China verschiedene Phasen des Kennenlernens an. Diese umfassen Korrespondenzen, Telefonate und natürlich Treffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Wenn Geschäftspartner bei den Treffen vom Thema abweichen, ist dies ein gutes Zeichen. Je mehr es nicht um das Geschäft geht, desto interessierter sind Araber an der Person. Als Europäer sollte man reges Interesse bekunden. Die Gespräche über das Geschäft kommen danach wie von selbst in Gang.

Falls man eines Tages eine private Einladung erhält, sollte diese keinesfalls ausgeschlagen werden. Allerdings sollte man die Einladung nicht sofort annehmen, sondern erst zweimal ablehnen. Geeignet sind dafür Sätze wie „Das ist aber wirklich nicht nötig“ oder „Tut mir leid, ich habe schon gegessen“. Die dritte Offerte ist auf alle Fälle ernst zu nehmen.

Gegenseitiges Helfen ist Pflicht

Sollte man von einem Araber um einen Gefallen gebeten werden, den man nicht erfüllen kann, sollte man diesen Wunsch dennoch nicht sofort ausschlagen. Erstens ist ein direktes Nein wie in anderen Kulturen unhöflich. Zweitens wird das Gegenüber allein den Versuch sehr zu schätzen wissen. Gegenseitiges Helfen ist Bestandteil jeder Freundschaft.

Besteht eine Beziehung, sind Präsente ein probates Mittel, diese zu festigen. Die Aufmerksamkeiten sollten in ihrem Wert ausgewogen sein. Falls man nicht in eigenem Auftrag unterwegs ist und ein grösseres Geschenk erhält, sollte dieses aus Gründen der Höflichkeit angenommen werden. Als Geschenke empfehlenswert sind Bildbände oder symbolträchtiges, figürliches Porzellan. Was immer als Präsent auserkoren wurde: Es darf keine religiösen Tabus verletzen (etwa Abbildungen von halbnackten Körpern), sollte von hoher Qualität sein und mit der rechten Hand übergeben werden. Die linke Hand dient wie auch in anderen Ländern nur zum Verrichten unreiner Aufgaben.

Tischkultur: Zurückhaltung üben

Zur Geschäftsbeziehung gehören auch Geschäftsessen. Bei denen wird vergleichsweise wenig über das Geschäft gesprochen. Wichtig sind sie dennoch. Kabsa und Mandi sind in den Golfstaaten beliebte Lammgerichte mit Reis. Zu diesen typischen Speisen wird meist Brot gereicht, das Messer und Gabel ersetzen kann. Man baut dafür mit dem Brot kleine Schaufeln. Das Brot wird mitgegessen – und kein zweites Mal in die Speisen getaucht.

In der Regel wird der Gast aufgefordert, mit dem Essen zu beginnen. Man sollte also entweder darauf warten oder den Appetit zügeln, bis der Gastgeber zu essen beginnt. Viel zu essen, ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein gutes Zeichen. Der Gastgeber wird immer wieder auffordern, noch mehr zu essen. Wenn man satt ist, lehnt man dreimal höflich ab. Dabei lässt man einen kleinen Rest auf dem Teller zurück. Denn leere Tassen und Teller signalisieren, dass man weiterhin Durst oder Hunger hat. Sollte man selbst Gastgeber sein, müssen die Gäste natürlich mehrfach zum Essen und Trinken aufgefordert werden.

Dresscode: Status herausstreichen

Wer sich nachlässig kleidet, wird in und um Dubai nicht ernst genommen werden. Die Qualität der Kleidung sollte ausgezeichnet sein. Teure Designerlabels sind gefragt und deuten auf die soziale Herkunft des Trägers. Bei Geschäften tragen Männer stets einen Anzug. Das Sakko sollte man nur ablegen, wenn der Gastgeber dazu auffordert. In der Regel sind Geschäftsräume aber so gut klimatisiert, dass man das Jackett freiwillig anbehält. Zu viel Bein, zu viel Dekolleté, zu viel Schulter oder zu viel Arm: Geschäftsfrauen, die mit ihren Reizen nicht geizen, haben in islamischen Ländern verloren. Sie gefährden nicht nur das Geschäft. Ihr Verhalten wird generell als verletzend und anstössig empfunden.