Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.09.2005

Als „extrem lesenswert“ beurteilt Robert Misik dieses Buch über das „boomende Reich der Mitte“ von Frank Sieren, der seit elf Jahren als Korrespondent der Wirtschaftswoche in China lebt. Für Misik hat das auch damit zu tun, dass das Buch nicht einfach nur ein Fachbuch über ein dynamisches Wirtschaftsreich ist, sondern auch eine Studie über „tief liegende historische Tendenzen, über Prozesse der Staatsbildung, Globalisierung und die Rolle der Mentalitäten in der Geschichte“. Er hebt hervor, dass Sieren offensichtlich beeindruckt ist von dem historisch einzigartigen Wirtschaftswachstum Chinas von 9 Prozent pro Jahr. Wie Misik erläutert, funktioniert die chinesische Form des Kapitalismus in Sierens Augen vor allem deshalb, weil der wirtschaftliche Erfolg der urbanen Mittelschicht zu Gute komme und die Despotie allmählich verschwindee. Sierens Prognose des Abstiegs der europäischen Wohlfahrtsstaaten und besonders Deutschlands, der mit dem Aufstieg Chinas einhergehen wird, hält Misik allerdings für nicht so ganz überzeugend. Auch die Schlüsselthese des Buchs, China werde die gesamte Welt verändern, klingt für ihn „etwas dramatisch“ und ein „bisschen sehr nach Monokausalität“. In einem Punkt stimmt er Sieren freilich uneingeschränkt zu: „Der Aufstieg Chinas wird zu echter Multipolarität führen“, meint Misik. „Und Multipolarität relativiert nicht nur die Position der heute hegemonialen Hypermacht, der USA, sondern die aller Staaten.“

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